Inspiration vom Maulwurf!

Eine Geschichte von Thomas (lebenswert.de):

Es begab sich wie jedes Jahr, dass ein Maulwurf zum ersten Fruehling beginnt, meinen Garten umzugraben.
Mein Nachbar erwischte mich kuerzlich am Gartenzaun und sagte: "Herr Hegenauer, da muessen Sie was machen."
Ich: "Ach ja, na, tsss, naja..."
Er: "Doch doch, der geht ja nimmer weg sonst. Und wie das ausschaut."
Ich: "Jaja, mmmh, naja, vielleicht, mal schauen."
Er: "Ja, frueher gabs da ja Gift, aber das darf man ja nicht mehr. Aber heute koennen Sie ihn auch vertreiben, mit so Mittel, der riecht das nicht gern und haut ab."
Ich: "Jaja, aha. Aber irgendwo leben will der ja auch."
Er: "Ja sicher - aber doch nicht in IHREM Garten."

MEIN Garten?
Stimmt schon. Im Grundbuchamt steht, dass der Grund mir gehoert. Da sind Buesche gepflanzt, die "meinen" Raum umgeben und an einigen Stellen ist ein Zaun.

Aber andererseits?
Ist das nicht ziemlich arrogant? Ich meine, wir Menschen kommen daher und sagen: "So, das ist jetzt meins."
Dann betonieren wir den Grossteil "meiner" Flaeche zu mit einem Haus (man wills ja schoen warm und trocken) und der Rest ist dann "Garten". Aber bitte schoen nach Fahrplan, mit gutem Rasen (nicht zu hoch!), netten Bueschen (immer schoen pflegen!) und wehe da kommt so ein dahergelaufender Igel und kackt mir in den Garten oder ein Maulwurf uebertritt meine Grenze ... dann gibts Stinkemittel oder einen Genickschuss, man ist ja kein Unmensch.

So ein Maulwurf versteht ja die Welt nicht mehr. Wo er frueher schoen den fruchtbaren Boden lockern konnte, ist heute undurchdringbarer, toter Beton. Und da, wo noch Reste von Erde sind, da darf er auch nicht hin, weil ... weil ... weils im Grundbuchamt so drin steht.

Eine Einverstaendniserklaerung des Maulwurfs war nicht noetig.
Er haette sie wohl auch nie abgegeben, besser, man fragte ihn erst gar nicht.

Wer ist denn da der Eindringling?

Ich betrachtete die Maulwurfshuegel und konnte einfach nicht erkennen, warum ich nun das Recht haben sollte, den kleinen Kerl zu verjagen. ER haette vielleicht alles Recht dazu, MICH zu verjagen ... aber so ein Maulwurf ist ja Pazifist, der tut sowas nicht und laesst mich in Ruhe.

Also hab ich ihm seinen Platz gelassen.
Ich weiss nicht warum, aber ein paar Tage spaeter verliess er scheinbar "meinen" Garten.

Der Nachbar meinte, ich haette ihn verjagt. Dass das nicht noetig war, naja, "Zufall" halt, "Glueck" gehabt.

"Mein" Grund und Boden.
Wie hat das eigentlich angefangen mit dem "mein Boden".
Ich habe ihn gekauft vom Vorbesitzer.
Der hat ihn gekauft von einem Bauern. Da war vorher Wald.
Bis die Gemeinde beschlossen hat, da sollen jetzt Haeuser hin. Der Bauer verdiente ein Vermoegen. So ein Zufall, dass er auch im Gemeinderat sass, nicht wahr?
Woher hat nun der Bauer den Wald gehabt?
Von seinem Vater. Und der? Von dessen Vater.
Aber wann hat das angefangen? Wann kam mal einer und sagte: "So, das ist jetzt meins!" ?
Und unter uns: Woher nahm sich dieser Mensch damals das Recht?

Ich koennte mir vorstellen, frueher hat das irgend einem Fuersten gehoert. Der hat es wohl vom Koenig bekommen. Der hat es wohl vom Kaiser ... und der hat es wohl vom Papst.
Und der hat es ja von Gott direkt, nicht wahr?

Muss ein ziemlich gutes Geschaeft gewesen sein fuer einen Haufen Leute ueber viele Jahrhunderte hinweg.

Gab es mal eine Zeit, da gehoerte Land niemandem? Da baute ein Mann ein Haus, wo er es fuer richtig fand, gemeinsam mit seinem Stamm? Dort lebte er mit den seinen und man konnte sagen, es war sein Haus ... aber niemand waere auf die Idee gekommen, dass es "sein" Grundstueck waere.

Und dann kam wer und sagte: "Nettes Haus, aber das Grundstueck gehoert mir. Doch keine Sorge, die Grundsteuer ist echt bezahlbar."

Ziemlich wirr, nicht wahr?
Aber so muss es wohl gewesen sein.
Oder glaubt einer meiner Leser, dass unsere uralten Vorfahren schon Landbesitz hatten? Nicht wirklich.

Spannend.
Zurueck zum Punkt: Die Sache mit dem Landbesitz muss ein geniales Geschaeft gewesen sein. Einige Leute hatten damit fuer hunderte von Jahren ausgesorgt.
Zwar auf Kosten der arbeitenden Bevoelkerung, aber was solls.

Selbst heute verdient es sich mit dieser wirren Idee nicht schlecht. Bei uns kostet der Quadratmeter 250,- Euro. Ein kleines Grundstueck mit 1000 Quadratmetern schlaegt gleichmal mit 250.000,- zu Buche. So viel haben wenig Leute in der Portokasse ... also laeuft man zur Bank und leiht sich das Geld. Gegen die Verpflichtung, es mit Zinsen zurueckzuzahlen und dafuer viele viele Stunden eine Arbeit zu machen, die einem vielleicht nicht gefaellt.

Aber hat ein Mann die Wahl, der ein Haus fuer seine Familie bauen will? Eine uralte, natuerliche Sache eigentlich.

Und wer sich das nicht leisten kann oder will, dem wird hier vielleicht sogar ein Grundrecht verwehrt.
Ein Maulwurf koennte das nicht verstehen - fuer so einen Schmarrn braucht es schon ein hochentwickeltes menschliches Gehirn.

Doch mal weiter im Text:

Das ist ja ueberhaupt DIE Geschaeftsidee.
Man verwehre dem Menschen etwas, das es erstens kostenlos gibt und das zweitens seiner Natur entspricht.
Er wird es haben wollen, wird sich danach sehnen, er wird davon traeumen. Und er wird bereit sein, dafuer zu bezahlen.
Er kann ja gar nicht anders, es ist eben seine Natur.

Das koennte man ja ausweiten auf...
...Wasser ...
Ups, da bin ich zu spaet - der Plan wird ja aktuell schon verwirklicht.

Mmmh, vielleicht das Recht auf eine sinnvolle Beschaeftigung?
Frueher fragte man nicht lange. Man tat, was zu tun war.
Echte Arbeit und am Abend war man muede und zufrieden.

Heute geht das anders: "Das brauchst du nicht machen, das geht jetzt viel einfacher und moderner, lehn dich zurueck."
Ja, lehn dich zurueck, entspann dich, jetzt hast du endlich Zeit zum fernsehen, kannst einen neuen Klingelton in dein Handy programmieren (gegen Gebuehr, versteht sich) oder dir die Nacht im Internet um die Ohren schlagen.

Klug, nicht wahr?
Man hindere den Menschen an der Ausuebung seiner urspruenglichen Instinkte (z.B. eine sinnvolle Arbeit zu tun) und macht ihn unzufrieden. Dann gebe man ihm gegen eine geringe Gebuehr die "Loesung", die natuerlich keine ist (sonst wuerde er ja nicht morgen wieder im Laden stehen muessen).

Sagte ich Mensch?
Neinnein, ich meinte natuerlich den "Verbraucher".
Der ist ja kein Mensch mehr - wenigstens wird das ehrlich so kommuniziert. Scheint bloss keinen zu interessieren.

Achtung, findige Unternehmer da draussen. Hier kommt die ultimative Geschaeftsidee:

Man nehme den Menschen die Moeglichkeit, Kinder auf natuerlichem Wege zu bekommen.

Ich garantiere: Die laufen die Waende hoch und tun ALLES ($$$), um diesem extrem starken Urtrieb nachzukommen.

Verschuldung, Abhaengigkeit, von mir aus Sklaverei - der Mensch waere zu allem bereit, unterschreibt JEDEN Vertrag mit dem Teufel, um seiner Natur Geltung zu verschaffen.

Humbug?

Na, ich weiss nicht so recht.
Ueber die Jahrhunderte hat es sich eingebuergert, dass Land zu "Eigentum" wurde. Wasser ebenso. Frueher war das unbestreitbar nicht so ... aber im Laufe der Zeit konnte man das durchsetzen und dicke Profite einfahren.

Die Menschen in grauer Vorzeit konnten sich nicht vorstellen, dass man in Zukunft Land "kaufen" und "besitzen" koennte.

So wenig, wie wir uns heute vorstellen, ein Recht auf Kinder kaufen zu koennen.
Genau das waere jedoch die logische Fortfuehrung einer materialistischen Welt.


Auf was fuer Ideen einen so ein kleiner Maulwurf bringen kann.

thomas

Der Herausgeber
Was ist eigentlich der Sinn des Lebens?
Lebenswertes kostenlos per Rundbrief seit 1999

Kommentare

fretz nathalie meint:

genial, habe aenliche gedanken
Donnerstag 16 Oktober 18:58

Mein Kommentar

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